Sitzen: Der langsame Tod

15.06.2017

Kinder müssen toben, rennen, raufen. Mit diesem ungeschriebenen Gesetz sind die meisten von uns noch groß geworden. Doch das war gestern. Heutzutage bewegen sich die Kinder nicht mehr. Sie sitzen. Und das fast den ganzen Tag. Besorgniserregend, meint Gerhard Huber vom Institut für Sport und Sportwissenschaft an der Universität Heidelberg. Denn dieses ständige Sitzen könnte die Kinder später tatsächlich früher ins Grab bringen.

Couch-Potatos und Stubenhocker: Die deutschen Kinder sind unbeweglich geworden. Eine neue Studie – die erste ihrer Art in Deutschland – bringt es an den Tag. Im Schnitt verbringen Kinder und Jugendliche hier an Schultagen fast elf Stunden im Sitzen, am Wochenende immerhin noch knapp acht Stunden. Das sind unter der Woche mehr als zwei Drittel ihrer wachen Zeit, die sie unbeweglich auf ihrem Hinterteil verbringen. «Noch nie in der Geschichte der Menschheit», so Huber, «haben Kinder so lang und oft gesessen!»

In seiner Studie hat Huber fast 4400 Kinder und Jugendliche zwischen vier und 20 Jahren befragt, die aus Deutschland, Österreich und Luxemburg stammen. Das Sitzproblem wird massiv unterschätzt, meint der Sportmediziner. Früher, vor ein paar Jahrzehnten, galt das Sitzen vor allem als orthopädisches Risiko, denn Sitzen macht Rückenschmerzen, das war bekannt.

Doch amerikanische Untersuchungen an Erwachsenen haben gezeigt, wie das Mortalitätsrisiko ab acht Stunden täglichen Sitzens deutlich ansteigt – und zwar selbst dann, wenn man außerdem viel Sport treibt. 2011 gab es dazu den ersten Aufschrei in der «New York Times» mit der Schlagzeile: «Ist Sitzen tödlich?» Der Titel mag reißerisch klingen, aber Gerhard Huber ist überzeugt: Sitzen ist tatsächlich ein «langsamer Tod». Es sind vor allem Langzeitfolgen für den Organismus, in zahlreichen Untersuchungen belegt, die schon Erwachsene Jahre ihres Lebens kosten, wenn sie es aussitzen. «Wir müssen davon ausgehen, dass diese Auswirkungen sich in Zukunft noch akkumulieren, weil die jungen Leute schon jetzt so viel sitzen», sagt Huber. Und sie hören ja nicht damit auf, wenn sie ihr Studium oder ihren Beruf aufnehmen. «Einmal sitzen, immer sitzen.»

Lesen Sie hier den vollständigen Beitrag der Welt N24.  PDF (204 KB)