Im Stile eines Flamingos

30.03.2015
Bild: Tobias Baumann

Im Oberstufenzentrum Buechenwald wird seit einigen Jahren mit höhenverstellbaren Tischen und kyBounder Matten von Zeit zu Zeit stehender Unterricht betrieben. Olivier Bosshardt, der aktuell eine Klasse der 3. Oberstufe lehrt, ist vom System überzeugt.

"Die Schüler mit viel Energie hüpfen auf der Matte drei bis vier Minuten. Danach sind sie wieder geerdet und können fokussiert dem Unterricht folgen", erklärt Bosshardt den wohl grössten Pluspunkt des bewegten Lernens. Durch die Bewegung auf der Matte entfalle die Störung des Unterrichts, die ein zappelnder Schüler, der ständig mit dem Stift spiele oder mit dem Nebenmann schwatze, mit sich bringe. Zusätzlich sei das Stehen zwischendurch auch aus gesundheitlicher Sicht positiv. Doch die gesundheitlichen Vorteile bezüglich der Haltung würden nur die Lehrpersonen sehen. "Die Schüler interessiert das in diesem Alter herzlich wenig, da darf man sich keine Illusionen machen." Wenn einer keine Lust zum Stehen habe, ziehe dieses Argument nicht.

Elastischer Federboden
Bei seiner Klasse müsse er das Stehen inzwischen explizit verordnen, sonst würden alle sitzen. Dies gelte allerdings nur für die Schüler der 3. Oberstufe. "In den ersten beiden Jahren gibt es immer Schüler, die freiwillig stehen. Doch im Abschlussjahr sind sie nur noch schwer zu bewegen", erzählt Bosshardt von seinen Erfahrungen - ohne Anflug von Resignation oder eines Vorwurfs an die Klasse. Viele Schüler würden jetzt das Ende ihrer obligatorischen Schulzeit herbeisehnen und da stehe keiner mehr freiwillig auf. Bosshardt hat aber auch die Erfahrung gemacht, "dass die Schüler durchaus merken, wie es ihnen gut tut, wenn sie dann mal stehen." In deren Voten ist denn auch zu hören, die Matten seien "sehr bequem" und "passen sich gut dem Fuss an". Das "Herumspringen" und die "verbesserte Konzentration" werden ebenfalls als Pluspunkte genannt. Die Matten bieten einen weichen, elastischen Federboden, der es verlangt, dass die Stehenden das Gleichgewicht suchen. Diesbezüglich hat jeder seine eigene Vorliebe. So stehen einzelne im Stile eines Flamingos auf einem Bein.

Nicht überstrapazieren
Olivier Bosshardt setzt das Mittel des bewegten Lernens unterschiedlich oft ein, immer jedoch nach dem Kochunterricht alle zwei Wochen, wenn die Schüler mit vollen Bäuchen richtiggehend in den Bänken hangen würden. Gegen die Morgenmüdigkeit benötigt Bosshardt das Mittel nicht: "Ich empfinde die erste Stunde als sehr angenehm, da die Schüler dann körperlich noch nicht überaktiv sind. Dann wird ruhig und konzentriert gearbeitet." Er wolle das Mittel auch nicht überstrapazieren. Schliesslich könne er seine Klasse nicht permanent stehen lassen, während andere Lehrpersonen diese Art des Unterrichts nur vereinzelt anwenden würden. Letztlich hänge es also vom Alter der Schüler, aber auch von den Lehrpersonen ab, wie oft das bewegte Lernen angewendet werde. Einen Vorteil möchte Bosshardt jedenfalls nicht mehr missen: Wenn er einem Schüler Hilfestellung am Platz leistet, stellt dieser nun den Tisch nach oben, so dass der Lehrer nicht mehr niederknien muss.